Für alle Kinder, die sich ein liebevolles Zuhause wünschen. Für alle Eltern, die nicht für ihre Kinder sorgen können.

Charlotte blickte auf den Kalender. Es war schon Mitte Dezember und noch immer fühlte sie sich nicht in Adventsstimmung. Was hätte sie denn noch tun sollen? Die Wohnung war hübsch dekoriert und sie war schon mehrmals über den Weihnachtsmarkt geschlendert. Hatte jedes Mal ein paar teure Dinge gekauft. Aber Zuhause angekommen fühlte sie sich immer leer. Was nützt all dieses Zeugs, wenn ich in meinem Herzen keinen Advent fühlte? Das Warten auf das grosse Glück hatte Charlotte satt. Doch dieses Jahr sollte sich das ändern. Nur wusste sie noch nichts davon.

Die letzten Jahre hatten ihren Glauben an Wunder verblassen lassen. Doch heute fiel ihr Blick auf ein altes Notizbuch, das sie vor Jahren in einer Schublade verstaut hatte. Neugierig öffnete sie es und entdeckte eine Wunschliste: die grosse Liebe finden, meinen Traumjob bekommen, endlich glücklich sein... Doch was nützte dieses Wunschbuch, wenn doch nichts davon in Erfüllung ging? Tief in ihrem Herzen glaubte Charlotte nicht daran, dass diese Wünsche Realität werden konnten. Schlagartig wurde ihr das bewusst. Was ihr wirklich fehlte war der Glaube daran, dass sie all dies verdient hatte und es wirklich geschehen würde. Sie weinte und weinte. Bis es plötzlich an der Wohnungstüre klingelte. Auch das noch.

«Hallo, haben Sie kurz Zeit? Ich verkaufe Schokoladentaler und sammle das Geld für Kinder in Not.» sagte das kleine Mädchen.

«Na gut, wie viel kostet den ein Taler?», frage Charlotte.

«So viel wie Sie bezahlen wollen.»

Charlotte kramte in ihrem Geldbeutel nach Münzen. Eine 50er-Note war das Einzige, dass sie fand. «Hier. Ich möchte dafür fünf Taler.»

Das Mädchen brach in Tränen aus.

«Das ist genau so viel, wie ich brauche! Danke vielmals.»

«Soviel, wie du brauchst?» fragte Charlotte etwas verärgert.

«Ja, ich habe mir auf einen Zettel geschrieben, dass ich mir 50 Franken wünsche. Diesen habe ich unter den Weihnachtsbaum gelegt. Und jetzt geht mein Wunsch in Erfüllung.»

«Du sammelst also nicht für Kinder in Not?»

«Doch» meinte das Mädchen. «Ich sammle für meine Freunde im Kinderheim.»

Charlotte wurde nachdenklich. «Warum denn 50 Franken?»

Das Mädchen wurde verlegen. «Ich habe im Schaufenster gesehen, dass man sich ein schönes Fest kaufen kann. Das stand dort. `Für nur 50 Franken zaubern Sie ihren Liebsten ein schönes Fest.` da dachte ich mir, ich sammle Geld.»

«Das ist ja niedlich.» sagte Charlotte. «Aber warum möchtest du das kaufen?"

«Im Heim können wir kein richtiges Fest feiern. Es gibt kaum noch Geld für uns.»

Charlotte überlegte kurz. «Wie viele Freunde hast du denn?»

«Der Tim, die Claudia, dann noch Lisa, Anna, Mark, und natürlich Jean-Luc, mein bester Freund.»

«Ich habe hier genügend Platz, warum kommt ihr nicht alle an Weihnachten zu mir und feiern ein Fest?»

Das Mädchen bricht wieder in Tränen aus. Und auch Charlotte ist berührt. Etwas in ihrem Herzen hat sich verändert. Durch dieses kleine Mädchen und ihren Glauben an Wunder. Gedanklich streicht sie alle ihre Wünsche aus dem Buch und schreibt einen neuen Wunsch hinein: «Ich möchte diesen Kindern ein schönes Fest bereiten.» 

Weihnachten bedeutet, dass mitten im Alltag ein Wunder geschehen kann. Glaubst du dran? Was wünschst du dir von Herzen?

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